War John Lennon ein guter Gitarrist?

John Lennon wird vor allem als Sänger, Songwriter und Kopf der Beatles wahrgenommen. Sein Gitarrenspiel steht meist im Schatten von George Harrisons Leadgitarre oder Paul McCartneys Bass-Virtuosität. Doch war Lennon deshalb tatsächlich kein guter Gitarrist? Ein Blick auf seinen Stil zeigt: Die Frage lässt sich nicht so einfach mit Ja oder Nein beantworten.

Lennons eigene Einschätzung

Lennon selbst war in dieser Frage erstaunlich selbstkritisch. Als ROLLING-STONE-Gründer Jann S. Wenner ihn fragte, wie er sich als Gitarrist einschätze, antwortete er sinngemäß, dass er rein technisch sicher nicht besonders sei, aber dem Instrument richtig Feuer machen könne. Lennon beklagte sich zudem, dass er als Gitarrist nie den Respekt bekommen habe, der ihm zustehe, und bezeichnete sich selbst einmal als den „unsichtbaren Gitarristen“ der Band. Diese Aussagen zeigen: Lennon wusste, dass er kein technischer Virtuose war, hatte aber ein klares Bewusstsein für seine eigentlichen Stärken.

Rhythmusgitarre als Markenzeichen

Lennons große Qualität lag nicht in komplizierten Soli, sondern in seinem Gefühl für Rhythmus und Antrieb. Seine Rhythmusarbeit auf Songs wie „Help!“, die markanten, kreiselartigen Riffs auf „Day Tripper“ oder das scheinbar lässige Spiel auf „The Ballad Of John And Yoko“ – bei dem er, da George Harrison gerade im Urlaub war, sowohl Lead- als auch Rhythmuspartikel zu einem stimmigen Ganzen verschmolz – zeigen sein Talent, der Gitarre einen kraftvollen, fast aggressiven Ton zu entlocken. Gerade dieses Gespür für Groove und Energie machte ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Beatles-Sounds.

Vom Banjo zur ersten eigenen Gitarre

Lennons musikalische Reise begann nicht mit der E-Gitarre, sondern mit dem Banjo, das ihm seine Mutter Julia beibrachte. Seine erste eigene Gitarre, eine günstige Gallotone Champion, erwarb er 1957 und nutzte sie zunächst in seiner Skiffle-Band The Quarrymen. Genau mit diesem Instrument lernte er auch seine ersten eigenen Songs zu schreiben – ein Grundstein für die spätere Songwriter-Karriere, der untrennbar mit seinem Gitarrenspiel verbunden ist.

Sein Instrumentarium

Im Lauf seiner Karriere spielte Lennon verschiedene Gitarren, die seinen Sound entscheidend prägten. Während er bei der Elektrogitarre, ähnlich wie George Harrison, unter anderem Modelle von Rickenbacker nutzte, bevorzugte er beim akustischen Spiel oft Westerngitarren von Gibson. Besonders die halb-akustische Epiphone Casino und die Gibson J-160E wurden zu seinen Markenzeichen und prägten den Klang vieler Beatles-Klassiker.

Wie ihn die Fachwelt einordnet

Auch wenn Lennon nie als technischer Tausendsassa wie sein Bandkollege Harrison galt, erkennt ihn die Fachwelt durchaus als eigenständigen Gitarristen an. Das Rolling Stone Magazin listete ihn auf Rang 55 seiner Liste der 100 größten Gitarristen aller Zeiten – deutlich hinter seiner Platzierung als Sänger und Songwriter, aber dennoch ein klares Zeichen der Anerkennung für sein Gitarrenspiel.

Fazit

War John Lennon ein guter Gitarrist? Nicht im Sinne eines technischen Virtuosen mit halsbrecherischen Soli – das war nie sein Anspruch. Aber als Rhythmusgitarrist mit einem untrüglichen Gefühl für Groove, Energie und den richtigen Ton zur richtigen Zeit war er außergewöhnlich. Seine Spielweise war weniger spektakulär als die seiner Zeitgenossen, aber genauso wichtig für den unverwechselbaren Sound der Beatles. Lennon selbst hat es vielleicht am treffendsten zusammengefasst: Technisch nicht herausragend, aber mit dem Talent, der Gitarre Feuer einzuhauchen.


Quellen und weiterführende Links

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