Die Mensur einer Gitarre gehört zu den wichtigsten Maßen für Spielgefühl, Saitenspannung und Griffbrettaufteilung. Gerade beim Vergleich von Fender, Gibson und PRS zeigen sich deutliche Unterschiede: Fender setzt bei vielen klassischen E-Gitarren auf 25,5 Zoll, Gibson häufig auf 24,75 Zoll und PRS bei vielen Modellen auf 25 Zoll.
Doch was bedeutet das in der Praxis? Welche Gitarre fühlt sich weicher an, welche bietet mehr Spannung und welche Mensur eignet sich besser für Bendings, Akkorde oder tiefer gestimmte Gitarren? Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Werte für 2026.
Was bedeutet Mensur bei einer Gitarre?
Die Mensur bezeichnet die schwingende Saitenlänge zwischen Sattel und Steg. Sie wird bei Gitarren meistens in Zoll angegeben. PRS beschreibt die Mensur ebenfalls als Abstand zwischen Sattel und Brücke und weist darauf hin, dass sie unter anderem die Bundabstände, das Spielgefühl und die Saitenspannung beeinflusst. (PRS Guitars Support)
Eine längere Mensur führt bei gleicher Stimmung und gleicher Saitenstärke grundsätzlich zu einer höheren Saitenspannung. Eine kürzere Mensur fühlt sich dagegen weicher an.
Als typische Orientierung gelten:
| Hersteller/Typ | Typische Mensur | Zentimeter | Charakter |
|---|---|---|---|
| Fender Stratocaster/Telecaster | 25,5″ | 64,77 cm | eher straff |
| PRS Standard | 25″ | 63,50 cm | ausgewogen |
| Gibson Les Paul/SG | 24,75″ | 62,87 cm | eher weich |
| Fender Short Scale | 24″ | 60,96 cm | besonders weich |
| PRS McCarty 594 | 24,594″ | 62,48 cm | zwischen PRS Standard und Gibson |
| PRS SE 277 | 27,7″ | 70,36 cm | sehr lang, für tiefe Stimmung |
Wichtig: Die tatsächliche Mensur ist immer vom jeweiligen Gitarrenmodell abhängig. Nicht jede Fender-, Gibson- oder PRS-Gitarre verwendet automatisch die klassische Hersteller-Mensur.
Fender, Gibson und PRS im Mensur-Vergleich
Fender: 25,5 Zoll als klassischer Standard
Viele bekannte Fender-Modelle wie Stratocaster und Telecaster werden traditionell mit einer Mensur von 25,5 Zoll gebaut. Fender selbst nennt 25,5 Zoll neben 24 Zoll als typische Mensuren seiner E-Gitarren. (Fender)
25,5 Zoll entsprechen 64,77 Zentimetern. Gegenüber einer 24,75-Zoll-Mensur ist die Saitenlänge rund 1,9 Zentimeter größer.
Das macht sich vor allem bei Bendings und der allgemeinen Spannung bemerkbar. Bei identischer Saitenstärke und Stimmung fühlt sich eine 25,5-Zoll-Gitarre normalerweise etwas straffer an.
Das kann besonders bei Standardstimmung angenehm sein, während Spieler bei Drop-Tunings von der zusätzlichen Spannung profitieren können.
Gibson: 24,75 Zoll für ein weicheres Spielgefühl
Gibson ist traditionell stark mit der 24,75-Zoll-Mensur verbunden. Auch aktuelle Gibson-Modelle zeigen diese Größenordnung. Beispielsweise gibt Gibson für die L-00 eine Mensur von 628,65 Millimetern beziehungsweise 24,75 Zoll an. (Gibson)
Auch bei der J-45 wird eine Mensur von 628,65 Millimetern angegeben. (Gibson)
Bei einer 24,75-Zoll-Mensur liegen die Bünde etwas dichter beieinander als bei 25,5 Zoll. Gleichzeitig ist bei gleicher Saitenstärke die Spannung etwas niedriger.
Das wird häufig als komfortabel für Bendings und Akkordspiel empfunden. Gerade bei Gibson-artigen Instrumenten mit 24,75 Zoll kann sich die Gitarre deshalb im Vergleich zu einer Fender mit 25,5 Zoll deutlich weicher anfühlen.
PRS: 25 Zoll als Mittelweg
PRS nimmt bei vielen Gitarren eine interessante Zwischenposition ein. Die Standard-Mensur vieler PRS-Gitarren beträgt 25 Zoll. Der Hersteller bietet allerdings zahlreiche weitere Mensuren an, darunter 24,594, 25,5, 26,5 und 27,7 Zoll. (PRS Guitars Support)
Die klassische 25-Zoll-Mensur entspricht 63,5 Zentimetern und liegt damit genau zwischen den bekannten Fender- und Gibson-Werten.
Das macht PRS für Spieler interessant, die eine ausgewogene Kombination aus Spannung und Spielkomfort suchen. Sie ist straffer als 24,75 Zoll, aber etwas weniger straff als 25,5 Zoll.
Mensuren Tabelle: Fender vs. Gibson vs. PRS
| Mensur | Länge in cm | Vergleich | Typisches Spielgefühl |
|---|---|---|---|
| 24″ | 60,96 cm | sehr kurz | sehr weich |
| 24,594″ | 62,48 cm | kurze Mensur | weich |
| 24,75″ | 62,87 cm | Gibson | weich bis ausgewogen |
| 25″ | 63,50 cm | PRS | ausgewogen |
| 25,5″ | 64,77 cm | Fender | straffer |
| 26,5″ | 67,31 cm | Long Scale | deutlich straffer |
| 27,7″ | 70,36 cm | PRS SE 277 | sehr straff |
Die Werte zeigen, warum bereits wenige Zentimeter Unterschied einen Einfluss auf das Spielgefühl haben können.
Saitenspannung im Vergleich
Die Saitenspannung hängt nicht ausschließlich von der Mensur ab. Entscheidend sind außerdem Saitenstärke und Material sowie die Stimmung. Bei gleicher Saite und gleicher Tonhöhe gilt jedoch grundsätzlich: Je länger die Mensur, desto höher die Spannung.
Vereinfacht lässt sich die Veränderung anhand der Mensurlänge vergleichen:
| Mensur | Relative Spannung gegenüber 25″ |
|---|---|
| 24″ | ca. 92 % |
| 24,594″ | ca. 97 % |
| 24,75″ | ca. 98 % |
| 25″ | 100 % |
| 25,5″ | ca. 104 % |
| 26,5″ | ca. 112 % |
| 27,7″ | ca. 123 % |
Diese Tabelle ist eine Näherung für gleiche Saiten, gleiche Stimmung und vergleichbare Bedingungen. Sie stellt keine exakte Messung der realen Saitenspannung eines bestimmten Gitarrenmodells dar.
Der Grund: Die Spannung steigt physikalisch nicht einfach linear mit der Mensur, sondern hängt unter anderem von der Frequenz und der Saitenmasse ab.
Warum fühlt sich eine Gibson oft weicher als eine Fender an?
Nimmt man eine Gibson mit 24,75 Zoll und eine Fender mit 25,5 Zoll und verwendet dieselbe Saitenstärke sowie dieselbe Stimmung, hat die Fender die längere Mensur.
Das bedeutet eine höhere Saitenspannung. Die Gibson fühlt sich dagegen typischerweise etwas weicher an.
Besonders deutlich kann das bei Bendings werden. Auf einer kürzeren Mensur lässt sich eine Saite bei ansonsten gleichen Bedingungen leichter ziehen.
Allerdings sollte man daraus nicht ableiten, dass jede Gibson grundsätzlich weicher oder jede Fender grundsätzlich härter zu spielen ist. Saitensatz, Saitenlage, Halskrümmung, Setup und Stimmung haben ebenfalls großen Einfluss.
PRS als Kompromiss zwischen Fender und Gibson
Die 25-Zoll-Mensur von PRS liegt genau zwischen den klassischen 24,75 Zoll von Gibson und 25,5 Zoll von Fender.
Vereinfacht ergibt sich daher folgende Einordnung:
Gibson 24,75″ → PRS 25″ → Fender 25,5″
Beim Spielgefühl bedeutet das ungefähr:
weicher → ausgewogen → straffer
Für viele Gitarristen ist die PRS-Mensur deshalb ein guter Kompromiss. Sie bietet etwas mehr Saitenspannung als eine klassische Gibson, bleibt aber etwas entspannter als eine typische Fender.
Mensur und Bundabstände
Die Mensur beeinflusst nicht nur die Saitenspannung, sondern auch die Abstände der Bünde.
Bei einer längeren Mensur liegen die Bünde weiter auseinander. Bei einer kürzeren Mensur sind sie dichter angeordnet.
Das macht sich insbesondere bei großen Akkordgriffen und weit gespannten Intervallen bemerkbar. Spieler mit kleineren Händen empfinden kurze Mensuren daher teilweise als komfortabler. Fender weist ebenfalls darauf hin, dass kürzere Mensuren geringere Abstände zwischen den Bünden besitzen. (Fender)
Bei einer 25,5-Zoll-Fender kann sich das Griffbrett dadurch etwas weitläufiger anfühlen als bei einer 24,75-Zoll-Gibson.
Welche Mensur eignet sich für welche Spielweise?
| Spielweise | Geeignete Mensur | Grund |
|---|---|---|
| Blues und Bendings | 24–24,75″ | leichteres Bending |
| Klassischer Rock | 24,75–25″ | weiches bis ausgewogenes Spielgefühl |
| Allround | 25″ | guter Kompromiss |
| Funk und Strat-Spielweise | 25,5″ | straffes Spielgefühl |
| Drop D | 25,5″ | zusätzliche Saitenspannung |
| Tiefe Tunings | 26,5–27,7″ | bessere Spannung bei tiefen Tönen |
| Kleine Hände | eher kurze Mensur | geringere Bundabstände |
| Sehr straffe Saiten bevorzugt | 25,5″ und länger | höhere Spannung |
Das sind allerdings Orientierungspunkte und keine festen Regeln. Ein erfahrener Gitarrist kann praktisch jede Mensur für die gewünschte Spielweise einsetzen.
Mensur bei Drop D und tieferen Stimmungen
Die Mensur wird besonders relevant, wenn die Gitarre heruntergestimmt wird. Beim Wechsel von E-Standard auf Drop D sinkt die Spannung der tiefsten Saite.
Eine längere Mensur kann diesen Spannungsverlust teilweise ausgleichen. Deshalb sind längere Mensuren bei Gitarren für moderne Rock-, Metal- oder Bariton-Anwendungen verbreitet.
PRS bietet beispielsweise auch Modelle mit deutlich längeren Mensuren an. Die SE 277 kommt laut Hersteller auf 27,7 Zoll, während andere PRS-Modelle beispielsweise 26,5 Zoll verwenden. (PRS Guitars Support)
Mensur ist nicht gleich Saitenlage
Ein häufiger Irrtum besteht darin, Mensur und Saitenlage miteinander gleichzusetzen.
Die Mensur beschreibt die Länge der schwingenden Saite. Die Saitenlage bezeichnet dagegen den Abstand der Saite zum Griffbrett beziehungsweise zu den Bundstäbchen.
Eine Gitarre mit langer Mensur kann eine sehr niedrige Saitenlage haben. Umgekehrt kann eine kurze Mensur mit hoher Saitenlage ausgestattet sein.
Für das subjektive Spielgefühl müssen deshalb immer mehrere Faktoren gemeinsam betrachtet werden.
Welche Mensur ist die beste?
Eine allgemein beste Mensur gibt es nicht. PRS weist selbst darauf hin, dass die Mensur das Spielgefühl, die Bundabstände und die klangliche Wahrnehmung beeinflusst. (PRS Guitars Support)
Wer gerne Bendings spielt und ein weicheres Spielgefühl bevorzugt, kann mit 24,75 Zoll glücklich werden. Wer ein strafferes Spielgefühl und etwas mehr Spannung bevorzugt, findet bei 25,5 Zoll einen klassischen Ansatz.
Die 25-Zoll-Mensur von PRS stellt einen interessanten Mittelweg dar.
Kurz zusammengefasst
| Hersteller | Typische Mensur | Saitenspannung | Spielgefühl |
|---|---|---|---|
| Gibson | 24,75″ | niedriger | weich, komfortabel |
| PRS | 25″ | mittel | ausgewogen |
| Fender | 25,5″ | höher | straff, direkt |
| PRS Long Scale | 26,5–27,7″ | sehr hoch | straff, besonders für tiefe Tunings |
Fazit
Die Gitarrenmensur ist ein entscheidender Faktor für das Spielgefühl. Fender setzt bei vielen klassischen E-Gitarren auf 25,5 Zoll, Gibson ist traditionell mit 24,75 Zoll verbunden und PRS positioniert sich mit der häufig verwendeten 25-Zoll-Mensur dazwischen.
Der Unterschied von wenigen Millimetern beziehungsweise Zentimetern klingt zunächst gering, wirkt sich aber auf Saitenspannung, Bendings und Bundabstände aus. Für Spieler, die zwischen verschiedenen Gitarren wechseln, kann die Mensur deshalb erklären, warum sich zwei Instrumente trotz gleicher Stimmung und identischer Saitenstärke völlig unterschiedlich anfühlen.
Wer eine weiche Bespielbarkeit sucht, sollte eher kürzere Mensuren betrachten. Für ein ausgewogenes Spielgefühl ist 25 Zoll interessant, während 25,5 Zoll mehr Spannung bietet. Für sehr tiefe Tunings können noch längere Mensuren sinnvoll sein.
Quellen und weiterführende Informationen: